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In regelmäßigen Abständen besuchen wir Freunde aus der Musikszene. Ob Deejay, Musiker oder Produzent, wir stellen euch die Künstler vor.

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Woody van Eyden

Woody van Eyden

Der gebürtige Niederländer Woody van Eyden wurde im Juli 1963 in Weert geboren. Die Leidenschaft zur Musik wurde im quasi „in die Wiege gelegt“, da er in eine musikalisch vielfältige Familie hineingeboren wurde. So ist es auch kein Wunder, dass er 1978 mit gerade mal 15 Jahren das DJing für sich entdeckte. Dieses Handwerk faszinierte und fesselte ihn gleichermaßen, so dass er nach einer kurzen Zeit schon als jüngster DJ der Niederlande bekannt wurde. Woody gewann diverse DJ-Contest und konnte sich mühelos gegen erfahrenere DJs durchsetzen. So wurde er schon in jungen Jahren südholländischer DJ-Meister und der Wunsch das DJing zum Beruf zu machen hatte oberste Priorität.


Schon im Jahr 1984 zog es Woody im Sommer nach Ibiza, wo er seinen weiteren Weg ebnen konnte. Durch die geknüpften Kontakte auf der Insel sicherte er sich diverse Bookings über die Wintermonate in Belgien und England, um dann im Sommer 1986 wieder auf Ibiza durchzustarten. Sesshaft wurde Woody van Eyden in Deutschland, wo er mehrere Resident-Jobs hatte, Partys organisierte und als DJ durch Europa tourte. Anfang der 90er startete Woodys Karriere so richtig durch. Nach der Veröffentlichung seiner ersten Platte, war er Organisator vieler namhaften Partys und Party-Reihen, er war zudem Resident im „Riu Palace“ auf Mallorca und hat regelmäßig TV-Aufzeichnungen organisiert.

Im Jahr 1993 lernte er André Tanneberge (ATB) kennen und die beiden entschieden sich für eine produktive Zusammenarbeit, aus der sich eine enge Freundschaft entwickelte. Zusammen mit Uli Pöppelbaum (Spacekid) gründeten sie 1997 ihr erstes gemeinsames Label unter dem Namen „Clubgroove Records“ in Bochum. Als DJ tourte Woody van Eyden durch unzählige Länder auf verschiedenen Kontinenten und konnte mit Qualität auf höchstem Partyniveau überzeugen. Doch auch als Produzent und Remixer hat er bei vielen Veröffentlichungen mitgearbeitet und sie durch seinen einzigartigen Stil geprägt.

Welche Stationen in seinem Leben maßgeblich für seinen Erfolge entscheidend waren und welche Ziele er für sich als nächstes festgelegt habt, könnt ihr im nachfolgenden Interview erfahren.

Hallo Woody, ich freue mich riesig, mit dir in Form eines Interviews zusammen zu arbeiten. Gerade als Partykind der 90er wurde ich durch deine Musik geprägt und sie hat mich viele Jahre begleitet. Jetzt bin ich total gespannt, was wir über dich in diesem Interview erfahren dürfen.

Du wurdest in eine sehr musikalische Familie geboren. Deine Mutter war eine bekannte Opernsängerin in den Niederlanden, dein Bruder ein gefragter Studiomusiker, deine Schwester sang in diversen Bands und spielte Gitarre. Erinnerst du dich noch, mit wieviel Jahren du deine Leidenschaft für die Musik entdeckt hast? Hattest du ein Schlüsselerlebnis/ eine Schlüsselsituation, die deinen Entschluss bekräftig hat, irgendwas mit Musik zu machen. War dein Vater auch in irgendeiner Form musikalisch oder habt ihr Kinder diese Leidenschaft nur mit eurer Mutter geteilt?
Ich wurde mit Musik geboren sozusagen. Alle, außer Papa, waren mit der Stimme oder einem Instrument beschäftigt. Meine Mutter hat mir Gesang beigebracht, was ich als Kind gar nicht so cool fand. Allerdings später als Produzent hat es mir enorm geholfen. Fand es aber irgendwie immer doof mit einem Kumpel nach der Schule nach Hause zu gehen und Mutter hat die Tonleiter hoch runter gesungen. Hab ihr das glaub ich hier erzählt…sorry Mam :)

In den Niederlanden ist die elektronische Musik (verschiedener Genres) sehr beliebt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass deine Landsleute megamäßig feiern und Spaß haben. Wie bist du dazu gekommen dich fürs DJing zu entscheiden? In deiner Familie hattest du zwar verschiedene musikalische Vorbilder, doch diese Form der musikalischen Verwirklichung hast du ja für dich selbst entdeckt. Dürfen wir erfahren, wann und durch welche Situation du für dich klar hattest, den Weg als DJ einzuschlagen?
In meiner Jugend kam der John Travolta-Film „Saturday night fever“ raus, mit Schlaghosen, Disco-Mucke und einer beleuchteten Tanzfläche. Da wusste ich, das ist es !!! Ich will DJ werden und immer schöne bunte Beleuchtung um mich herum haben.

Im Jahr 1982 hast du dir den Titel als südholländischer DJ-Meister geholt. Kannst du uns kurz berichten, wie damals so ein DJ-Wettbewerb abgelaufen ist? Welche Hürden gab es dort für dich zu überwinden und welche Türen in der Musikwelt haben sich für dich mit diesem Titel geöffnet?
Meinen ersten regionalen DJ Wettbewerb habe ich im Jahr 1981 gewonnen. Du wurdest auf Musikauswahl und Moderation getestet (der DJ damals war ja ein Radio-DJ, mit Sprüchen und guter Musikauswahl), dann im Jahr 1982 in Süd-Holland und auch noch 3. auf den niederländischen Meisterschaften. Eine Clubbetreiberin aus Ibiza wurde dadurch auf mich aufmerksam, also war das wirklich ein key-moment für mich.

Ganz solide hast du einen Abschluss als Einzelhandelskaufmann mit Marketingausbildung erfolgreich absolviert. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Ausbildung in einem „richtigen“ Beruf auf Wunsch deiner Eltern erfolgt ist. Welche Fähigkeiten konntest du in dieser Ausbildung erlernen oder auch ausreifen, die dir auf deinem musikalischen Weg hilfreich waren? 
Oft sieht man erst viel später im Leben, wofür gewisse Anstrengungen gut waren. Siehst du das auch so in Bezug auf deine Ausbildung? Warum war es vielleicht gut, dass du diese erfolgreich beendet hast?
Ich bin bis heute sehr dankbar dafür, dass meine Eltern an mich geglaubt haben. Oder ich habe sie damals gut überzeugen können, dass alles gut wird, wenn ich mein Hobby als Beruf mache. Gerade in einer Zeit, wo der Beruf DJ gar nicht als Beruf gesehen wurde.

Der erste Sommer auf Ibiza war bestimmt etwas ganz Besonderes für dich. In der Diskothek „Angels“ konntest du deine Fähigkeiten unter Beweis stellen und wurdest dort sozusagen zum Publikumsmagneten. Erinnerst du dich, was dein erstes DJ-Erlebnis auf Ibiza in dir ausgelöst hat? Hast du ein Erlebnis aus dieser Zeit auf der Insel, dass dich nachhaltig geprägt – positiv oder negativ – und deinen beruflichen Weg beeinflusst hat?
Nun, wo ich ankam auf Ibiza, war ich der „la nada“ (auf Deutsch: „der Nix“) und musste mich beweisen, indem ich jeden Tag eine Kassette aufgenommen und dem Chef gegeben habe. Irgendwann durfte ich dann.

Privat hat es dich ja nach Deutschland verschlagen und du lebst bis heute noch im Ruhrgebiet. Ich selbst habe im Ruhrgebiet viele Kollegen aus der Branche und bin dort regelmäßig zu diversen Treffen. Was verbindet dich schon seit vielen Jahren mit dem Ruhrgebiet (beruflich und privat)? Welche Möglichkeiten haben sich für dich durch die Wahl dieses Wohnortes erschlossen? Hast du von dort aus alle deine Ziele verwirklichen können oder musstest du hier und da Abstriche machen?
Das Ruhrgebiet hat was enorm Bodenständiges und Aufregendes zugleich, viele Möglichkeiten eine tolle Zeit zu haben, aber auch die Nähe zu meine Heimat.

Dein jahrzehntelanger Erfolg ist ungebrochen – bis heute ist dein Name ein sehr wichtiger in der Branche und deine Musik nach wie vor gefragt. Vor allem der nicht nachlassende Hype der 90er-Partys lässt deinen Namen einfach unvergessen werden. Was würdest du gerne noch musikalisch für dich erreichen? Gibt es Träume, die du dir gerne verwirklichen würdest? Welche Ziele strebst du als nächstes beruflich an? Denkst du schon den Ruhestand oder welche Pläne hast du für deine Zukunft?
Ich bin dankbar, dass ich immer noch das machen darf was, ich am meisten liebe: den Leuten auf meiner bunten Tanzfläche eine gute Zeit zu geben.

Leider durfte ich dich bisher noch nicht persönlich kennenlernen. Bei vielen meiner Kollegen, gerade auch von Freunden aus Bochum, merke ich immer eine positive Veränderung, wenn dein Name genannt wird. Die Stimmung wird dann schlagartig fröhlich und jeder der dich persönlich kennt sagt: „… der verrückte Holländer“ in einem sehr wertschätzenden, respektvollen Ton und einem Grinsen im Gesicht. Welche Eigenschaften spielen meine Kollegen an dir an, wenn sie vom „verrückten Holländer“ sprechen? Ist eigentlich an dir noch viel Holländer/Niederländer vorhanden?

Ich spreche und denke jeden Tag niederländisch und bin oft dort mit meiner wunderbaren Frau und unserem verrückten Hund ( passt sehr gut zu uns).

Bei Menschen wie du, die so erfolgreich so viele Jahre im Beruf sind, könnte ich noch Unmengen an Fragen stellen. Jedoch möchte ich jetzt zum Abschluss kommen mit meiner letzten Frage … Gibt es einen Erfolg / ein Event / ein Erlebnis, auf das du stolz zurückblicken kannst? Wo du dankbar bist, dass du dieses erreicht hat und es zu deinem Leben dazu gehört?
Der Engländer sagt: „humble“ ein Gefühl, welches ich jeden Tag sehr stark spüre. Es ist nicht selbstverständlich, das so lange machen zu dürfen.

Das Interview führte Daniela Bartels.


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